Oberst Klein in Berlin und Rituale in Mittenwald15.02.2010 von Econ
So etwas ist selten geworden. Es kommt unerwartet und ist in Berlin (jedenfalls auf der politischen Bühne) eine echte Rarität. Ein Mann trifft eine folgenschwere und unpopuläre Entscheidung durch die er weltweit in scharfe Kritik gerät. Es folgen Wochen der Vorverurteilungen und Diffamierungen. Letztlich droht sogar ein Strafverfahren. Am Mittwoch, dem 10. Februar jedoch, tritt jener Mann vor einen Untersuchungsausschuss des Bundestages, bekräftigt seine schwere Entscheidung und stellt sich den Konsequenzen. Keine Ausflüchte, kein Abwälzen der Verantwortung auf andere, einfach nur ein “Ich war es und hier stehe ich nun!”
Die Arbeit jenes Gremiums zur Klärung der Abläufe des 4. September 2009, dem Tag als Oberst Georg Klein die gekaperten Tanklaster im Kunduz River angreifen ließ, wird weiter tagen. Es seien noch sehr viele Fragen offen, heißt es. Ins Blickfeld der Aufklärer sind nun auch die Spezialkräfte der sogenannten Task Force 47 geraten. Wieder einmal sind große Teile der Presse und auch der verantwortlichen Politik erstaunt über den Einsatz des Kommando Spezialkräfte – vermuten Unregelmäßigkeiten und Regelverstöße. Einen Beitrag dazu liefert sicherlich auch die übertrieben zurückhaltende Informationspolitik des Verteidigungsministeriums. Mir ist schleierhaft, warum man den Einsatz der Spezialisten in Afghanistan nicht offen zugibt und auch das eigentliche Einsatzspektrum kommuniziert. Details etwaiger Operationen, die selbstverständlich geheim gehalten werden müssen, würde dies nicht beeinträchtigen. So aber muss zwangläufig ein Geschmack des „Verbotenen“ entstehen.
Ebenfalls in der vergangen Woche sorgten einmal wieder befremdliche Rituale aus der Truppe, diesmal bei den Gebirgsjägern in Mittenwald, für Aufregung und Erklärungsbedarf bei den Verantwortlichen. Wer je in der Bundeswehr, oder in jeder anderen Armee der Welt, Dienst tat, kann darüber nicht ernsthaft erstaunt gewesen sein. Rituale in dieser oder anderer Form sind so alt wie das Militär selbst. Doch auch in anderen Bereichen ist es durchaus üblich, sich mit eigenartigen und manchmal derben Prozeduren von anderen abzugrenzen. Dies hat nichts mit einem vermeintlich niedrigen Bildungsstand zu tun. Ob auf Abiturabschlussfahrten, in Häusern von Studentenverbindungen oder auf Landesparteitagen großer Jugendorganisationen einer deutschen Volkspartei. Ich könnten zahllose Beispiele nennen, die ganz ähnlich strukturiert waren, wie die Vorfälle am Karwendel. Für mich war es dabei immer entscheidend, dass alles auf Freiwilligkeit beruht und die Rituale nicht die Grenzen des guten Geschmacks unterschreiten. Bei aller Empörung jedoch, wäre es einmal ein interessantes Forschungsfeld, den Sinn und den Mehrwert solcher Rituale zu untersuchen. Und viele, die sich heute empört geben, sollten zudem an ihre eigene Jugend denken und sich fragen, ob sie die Berechtigung haben, in die Rolle der Scharfrichters zu schlüpfen.
Willkommen04.02.2010 von Econ
Liebe Leser,
eine Woche ist mein Buch nun auf dem Markt. Leider hatte ich noch nicht viel Zeit, mich um die Homepage zu kümmern. Ein Interview jagte das nächste. Einige Fernsehauftritte waren auch dabei. Höhepunkte waren “Das Duell” bei n-tv, die Phoenix-Runde mit Gernot Erler und dem Staatssekretär des BMVg, Christian Schmidt.
In den nächsten Wochen werden weitere Lesungen und Talkshows anstehen. Sehr bald werde ich jedoch auf dieser Website die Ergebnisse der vieldiskutierten Afghanistan-Konferenz in London bewerten. So viel schon jetzt: Viele Beschlüsse sind grundsätzlich richtig. Die Erkenntnisse, auf denen sie beruhen, sind allerdings keineswegs neu. Seien wir insbesondere gespannt, wie sich sich die 5.000 US-Soldaten im Raum Kunduz vom deutschen Kommando führen lassen werden.
Ich freue mich über Beiträge und Fragen, auf die ich gerne antworte. Auf eine rege Diskussion auf dieser Seite!
Lesung in Berlin am 3. Februar02.02.2010 von Econ
Hier eine sehr kurzfristige Ankündigung:
Morgen, Mittwoch, den 3. Februar um 19.30, werde ich mein Buch erstmals nach der Pressekonferenz präsentieren.
Und zwar in Berlin, genauer im Lichtburgforum in der Gartenstadt Atlantic, Behmstraße 13, 13357 Berlin.
Die Lesung wurde von Thalia organisiert. Dort können auch Karten erworben werden: In der Thalia Buchhandlung im Gesundbrunnencenter, Badstraße 4, 13357 Berlin.
Wenn Sie noch auf die Schnelle vorbeikommen, freue ich mich!
Höchste Zeit für eine Strategie25.01.2010 von Econ
Seit dem Tanklaster-Angriff vom 4. September 2009 diskutiert die Nation über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Darüber, ob ihr Vorgehen angemessen gewesen sei. Doch die Gründe für den Angriff sind nach wie vor nur selten Thema: Der Bundeswehr wird von den Aufständischen ein Guerilla-Krieg aufgezwungen, in dem neben Soldaten auch unzählige afghanische Zivilisten sterben. Die Intensität der Taliban-Angriffe hat sich seit 2008 vervielfacht.
Vor sieben Jahren kam die Bundeswehr in den damals noch ruhigen Norden des Landes – zusammen mit den Polizeiausbildern des Innenministeriums und den zivilen Wiederaufbauhelfern. Seitdem wurden alle Chancen, für Stabilität am Hindukusch zu sorgen, vertan. Weder wurde gegen die Korruption und den Drogenhandel vorgegangen, noch das Land konsequent entwaffnet. Stattdessen glaubte man, es sei ein Leichtes, Afghanistan die westliche Demokratie überzustülpen. Ein Fehlglaube. Statt Mädchenschulen und einem Parlament ersehnte die afghanische Bevölkerung wirtschaftlichen Aufbau und vor allem Sicherheit. Enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft ist sie nun in Teilen in das Lager der wieder erstarkten Aufständischen übergewechselt. Und die Bundeswehr kann mit ihren 4.500 Soldaten in einem Gebiet so groß wie die ostdeutschen Bundesländer und Bayern zusammen nur noch für ihre eigene Sicherheit sorgen.
Schuld an dieser Situation tragen die politisch Verantwortlichen, die der Bevölkerung die Wahrheit über den Einsatz vorenthielten. Von ihnen fordere ich bedingungslose Offenheit. Und eine sinnvolle Strategie für einen Kriegseinsatz, der bereits dutzenden deutschen Soldaten das Leben gekostet hat.