Der Frühling bringt den Tod

Der schwarze April am Hindukusch kam für die Staatsführung an der Spree nicht überraschend. Mit genügend Abgebrühtheit hätten die Redenschreiber der Bundeskanzlerin den Text der Regierungserklärung vom letzten Donnerstag schon vergangenen Herbst verfassen können. Denn dass die Frühjahrsoffensive der Taliban kommt, ist seit nunmehr vier Jahren auch im ehemals „ruhigen Norden“ Afghanistans, wo die Bundeswehr kämpft, so sicher wie der Wettstreit um die größtmögliche Betroffenheit danach.

Bei der Truppe ist die Frühjahrsoffensive ein feststehender Begriff, sie steht im Zentrum aller Prognosen, die Bundeswehrführung, Bundesnachrichtendienst und Auswärtiges Amt jedes Jahr ab Januar nach Berlin kabeln. Selbst der exakte Zeitpunkt dieser immer wiederkehrenden Offensive lässt sich so weit eingrenzen, dass es fast ausreicht, den Wetterdienst zu befragen. Der afghanische Frühling bringt den Tod. In diesem Jahr hat der Auftakt der schweren Gefechte sieben deutschen Soldaten das Leben gekostet. Letztes Jahr war es einer. Es hätten auch damals schon viel mehr sein können.

Wenn es dann passiert ist, dauert es meist keine zehn Minuten, bis die erste Nachricht auf meinem Mobiltelefon erscheint. Tote in KDZ. Geh’ mal ans Netz. Wer als Soldat dort gedient hat, schließt in jenen Momenten die Reihen – und sei es nur durch Informationsweiterleitung. In der nächsten Sekunde wird mir warm und die Atmung geht tiefer. Ist kein Rechner in der Nähe, suche ich einen; Familie und Freunde wissen, dass sie mich jetzt lieber nicht ansprechen sollten. Am besten gehen sie mir aus dem Weg.

Wenn ich dann mehr Details weiß, werde ich noch unerträglicher. Alle Gesprächsversuche weise ich abfällig und zynisch zurück. Den Zeitpunkt für die Wiederaufnahme von Belanglosigkeiten bestimme ich und niemand sonst. Ein falsches Wort, ein falscher Ton – und die Stimmung kippt.

Da ich mein eigenes Verhalten mittlerweile kenne, hat sich die Lass-ihn-in-RuhePhase seit 2005 deutlich verkürzt. Damals kam ich das erste Mal von einem Einsatz zurück. Tief beeindruckt und mit enormem Mitteilungsbedarf, hat es Wochen und eine Reise quer durch das südliche Afrika gedauert, um zu akzeptieren, dass sich zu Hause eigentlich niemand für Afghanistan interessierte. Selbst die wenigen, die die Geduld zum Zuhören aufbrachten, standen schnell im Verdacht, zu „oberflächlich“ nachzufragen. Zu Unrecht, nur drangen ihre Stimmen in der großen Menge der freundlich Desinteressierten kaum bis zu mir vor.

Das beginnt sich nun zu verändern. Zum einen reagiere ich pragmatischer und vermeide durch kurzen inneren Rückzug die unmittelbare Konfrontation mit den emotional Unbeteiligten. Zum anderen ist die Masse der Wegseher deutlich geschrumpft. Die Verdrängung – die ja das eigentliche Problem ist, nicht mein persönliches Leiden darunter – lässt nach. Mehr und mehr wird der Afghanistaneinsatz zum großen Thema in der deutschen Öffentlichkeit. Die Zahl der Toten wird beziffert, ihre Namen werden genannt. Zeitschriften drucken die Bilder der Gefallenen, man spricht über Strategien und Scheitern, über öffentliche Trauer. Und über die Worte, die dem Einsatz angemessen sind: über Krieg. Die Politik stellt sich dem, notgedrungen.

Am Sonnabend, bei der Trauerfeier für die vier toten Soldaten in Ingolstadt, sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: „In politischer Verantwortung hat man Sie, verehrte Angehörige, auch um Verzeihung zu bitten.“ Das Wort Entschuldigung, fügte er in einer eigentümlichen Formulierung hinzu, sei unangebracht, „da Schuld und die Fähigkeit zu zweifeln mit Verantwortung einhergehen – aber Verzeihung.“ Was genau möchte er verziehen wissen? Die Entscheidung der Regierung, diesen Krieg zu führen? Dass deshalb Soldaten sterben? Oder geht es um die jahrelange öffentliche Ignoranz, um die Verdrängung Afghanistans? Die immer noch unzureichende Bewaffnung der Truppen und die nicht erkennbare Strategie? Dann nämlich wäre das Wort Entschuldigung sehr wohl angebracht.

Verantwortlich für das zunehmende öffentliche Interesse sind die Särge. Wenn der Transport der Gefallenen in die Heimat beginnt, werden für wenige Tage all die Fragen gestellt, die bereits 2001, zu Beginn des Wagnisses mit dem Namen ISAF, so notwendig gewesen wären. Welche Ziele können wir in Afghanistan erreichen? Wie viele Opfer ist uns das wert? Und wann ziehen wir die Notbremse?

Diese unangenehme, quälende, aber existenzielle Debatte lässt immer noch auf sich warten. Die Fragen werden gestellt, es sind einfache Fragen. Aber an die Antworten vermag sich keiner auch nur heranzutasten. Wie viele tote deutsche Soldaten soll es noch geben, um ein Ziel zu verfolgen, dass sich mehr und mehr als Chimäre entpuppt?

Und noch etwas hat sich in den letzten Monaten verändert, unauffällig, fast heimlich: die Ziele der Bundesregierung. Die Reden über „Demokratisierung“, „Hilfe für dieses geschundene Land“ oder „Verantwortung für die Menschen Afghanistans“ sind verstummt. Wäre es nicht so tragisch, weil es Menschen das Leben kostet, könnte man über den absurden Bogen lachen, den die deutsche Afghanistanpolitik genommen hat: vom Kampf gegen Al-Qaida-Stützpunkte und von der uneingeschränkten Solidarität weiter über Mädchenschulen und hochnäsige Kritik am Vorgehen der Verbündeten im Süden des Landes bis zur quälend langen Zeit des Selbstbetrugs, als der schöne Schein des leicht bewaffneten Friedenseinsatzes unter allen Umständen aufrecht erhalten werden sollte. Bis auch dies schließlich nicht mehr gelang.

Heute steht die schwarz-gelbe Bundesregierung da, wo die SPD unter Gerhard Schröder einst angefangen hatte: bei der Absicht, die eigene nationale Sicherheit zu erhöhen und durch Bündnistreue den Einfluss in der Nato zu erhalten.

„Es gab manche Fortschritte, es gab zu viele Rückschritte und unsere Ziele waren zum Teil unrealistisch hoch oder sogar falsch.“ Mit diesem Satz machte die Kanzlerin den Bogen zum Kreis. Nicht ein einziges Mal in diesen neun Jahren ist es den verschiedenen Bundesregierungen gelungen, eine klare Richtung vorzugeben und einzuhalten. Dies taten immer die anderen: die Taliban, die Verbündeten, Wahltermine in der Heimat. Ja selbst das Wetter hatte stets mehr Einfluss auf die Lage im Norden Afghanistans als die imposanten Schaltzentralen im Herzen Berlins.

Die Orientierungslosigkeit der deutschen Afghanistanpolitik ist es letztlich, die mir die Lunge zusammendrückt, wenn unsere Soldaten fallen. Der plötzliche Tod dieser lebenshungrigen jungen Männer wiegt doppelt schwer, wenn mich das Gefühl beschleicht, dass es vergebens gewesen sein könnte.

Was also jetzt? Sofort raus, weil bis heute so gut wie nichts erreicht wurde? Den Kreis in Richtung Heimat verlassen, die Wunden lecken und hoffen, dass der nächste Einsatz dieser Art Deutschland erst in weiter Zukunft ereilt? Die Kanzlerin lehnt das ab, zu Recht. Denn es gibt nach wie vor Gründe, diesen Krieg zu führen. Afghanistan in den Händen von Extremisten, das bedeutet heute eine genauso direkte Bedrohung für unsere Sicherheit und damit für unsere Freiheit wie vor neun Jahren. Bei einem Rückzug wäre sie vermutlich sogar größer als 2001.

Also bleibt vorerst nur ein Ziel: eine Frühjahrsoffensive 2011 durch Standfestigkeit und Mut zu verhindern. Voraussetzung dafür ist die klare Benennung dessen, wofür die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt wird. Die Verteidigung unseres Wertesystems ist die entscheidende Legitimation, warum deutsche Soldaten am Hindukusch ihr Leben riskieren und mehr und mehr auch verlieren. Es gibt keinen besseren Grund für diesen Krieg.

Doch selbst mit einer entschlossenen, mutigen Bundesregierung wird sich der schwarze April aller Wahrscheinlichkeit nach wiederholen. Ihm kann ein schwarzer Mai, Juni oder Juli folgen, und wieder wird es die einfachen Fragen mit den unaussprechlichen, vielleicht gar unmöglichen Antworten geben. Keiner kann den Wert der Freiheit in Menschenleben beziffern. Sicher ist nur: Er sollte hoch sein.

Artikel von Marc Lindemann, erschienen im Tagesspiegel v. 26.04.10

Blog

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3 Reaktionen zu “Der Frühling bringt den Tod”

  1. Von: Politikverdruss

    28.04.10 - 11:21 Uhr

    W.v.Bredow hat Ihnen in der FAZ vom 17.03.10 “rethorische Zügellosigkeit” vorgeworfen. Der Vorwurf ist nicht gerechtfertigt! Angesicht der durch die Regierung zu verantwortenden Lügen, Schönfärberei und Täuschungen ist in der journalistischen Aufdeckung dieses fortwährenden Skandals deutscher Politik eine harte Gangart mehr als angemessen. Und dass die Presse, die großen Anteil an einer realitätsverweigernden Berichterstattung hat, nun zur rücksichtsvollen Rethorik aufruft, kann kaum ernst genommen werden.

    Nehmen Sie weiter kein Blatt vor dem Mund!

  2. Von: Alexander G.

    10.05.10 - 15:46 Uhr

    Kampf gegen irreguläre Kräfte (IKs) im Raum Kunduz und ihre Zerschlagung

    Allgemeine Lage
    Die im Raum Kunduz agierenden irregulären Kräfte sind in die Offensive gegen die ISAF Truppen gegangen. Im Verlauf der Jahre seit Beginn des Einsatzes waren meist nur ortsansässige kleine Gruppierungen an den Anschlägen und Angriffen gegen die internationalen Truppen beteiligt. Nach einer Phase der Koordinierung und Aufklärung wurde durch Zusammenfassung der lokalen und Zuführung erfahrener externer Kräfte eine ernstzunehmende infanteristisch kampfstarke Bewegung gebildet. Die IKs verfügen über umfangreiche Kenntnisse der ISAF Taktiken und Rules of Engagement (RoE) der Truppenstellerstaaten. Unter Ausnutzung dieses Wissens, des Terrains samt Bebauung, sowie der Bevölkerung fordern sie nun die ISAF Truppen im offenen Kampf heraus, anstatt nahezu ausschließlich auf USBV/IEDs und Terror gegen die Zivilbevölkerung zu setzten. Bei den Gefechten erleiden die IKs in der Regel hohe Verluste und werden teilweise nahezu aufgerieben, aber schon wenige verwundete und oder gefallene ISAF Soldaten, meist sogar nur beschädigte oder zerstörte Fahrzeuge, werden propagandistisch als glorreiche Siege verbreitet. Geeignete Fotos und Videos der Kampfhandlungen werden gezielt den nationalen und internationalen Medien zugespielt, um den politischen Druck auf die ISAF Truppenstellerstaaten zu erhöhen. Die systematische Auswertung des Medienechos und der politischen Äußerungen und Diskussionen beeinflusst die Strategie der IKs maßgeblich. Erkannte vermeintliche Schwächen werden zeitnah in den Kampf einbezogen, um den Durchhaltewillen weiter zu schwächen.
    Schlussfolgerung:
    Nach dem derzeitigen Stand der Dinge ist es nicht möglich die IKs mit den verfügbaren oder verfügbar zu machenden militärischen Mitteln zu zerschlagen. Das entscheidende Element, die Trennung der IKs von der Bevölkerung, wurde bisher nicht oder nur mangelhaft erreicht. Dauerhaft kann dies nur durch eine Kombination aus wirtschaftlichen, sozialen und politischen Maßnahmen erreicht werden. In der Anfangsphase müssen die ISAF Truppen jedoch die Lage stabilisieren und in zivilen Bereichen erreichte Fortschritte beharrlich schützen. Einzelne Zellen der IKs werden nach wie vor durch Anschläge versuchen das Blatt zu wenden, könne aber mittelfristig auf Grund der dann fehlenden Unterstützung der afghanischen Bevölkerung ausgeschalten werden.

    Vorschläge für zu ergreifende Maßnahmen mit kurzer Erläuterung:
    1. Erreichen einer medialen Überlegenheit, um die Unterstützung der Bevölkerung der Truppenstellerstaaten zu gewinnen und die afghanischen Bürger über die Wahrheit zu informieren (z.B. Antonia Rados Frauen in Angst – Antonia Rados trifft die Opfer des Taliban-Terrors). Offene und ehrliche Kommunikation gegenüber der eigenen Bevölkerung mit Erklärung warum gekämpft und was für den zivilen Aufbau getan wird. Eindeutig klarstellen, dass „Taliban“ und sonstige Gruppierungen irreguläre Kräfte sind, die nicht uniformiert auftreten und gegen jegliches Völkerrecht verstossen.
    a. Radio für Afghanistan: Aufbau eines geeigneten islamischen Geistlichen als Stimme des wahren Islams der täglich die Wahrheit aus dem Koran zitiert; Verteilen von Radios, am besten mit Dynamo betriebene, bis in den letzten Winkel Afghanistans; 24 Stunden Sendeprogramm mit nationalen und internationalen Nachrichten, Musik, Gesundheitshinweisen, Interviews, etc. Darf aber nicht als Propaganda ausgelegt werden können. 1.000.000 Radiogeräte mit Handkurbel für den stromunabhängigen Betrieb für € 10 Mio.
    b. TV für Afghanistan im Prinzip wie Radio nur mit Bild. 100.000 kleine TV Geräte für € 10 Mio.
    c. Interviews und Berichte in den Heimatländern der ISAF Truppensteller in Bezug auf die Lage, die Ziele und das strategische Warum hinter dem Einsatz. Werben um eine moralische Unterstützung für die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten.
    2. Wiedergewinnung der militärischen Initiative durch
    a. mehr Infanterieverbände, also tatsächlich außerhalb der Feldlager einsetzbare Truppen
    b. erhöhen der Nachtkampffähigkeit und entsprechendes Ausnutzen dieses Vorteils auf taktischer Ebene
    c. Einsatz der Panzerhaubitze 2000 die mit der kampfwertgesteigerten Munition eine Reichweite von 40 Kilometern, sonst von 30 Kilometern erreicht
    d. Einsatz des Artillerieortungsradars COBRA/ADLER zur Lokalisation der Positionen von denen aus die Feldlager beschossen werden (möglich im Umkreis von 40 Kilometern); in Verbindung mit der PzHaubitze 2000 kann dann innerhalb weniger Sekunden zielgenau der Abschussplatz unter Feuer genommen werden
    e. Einsatz des Artilleriebeobachtungsradars ABRA; Einzelpersonen können in einer Entfernung von bis zu 14 Kilometern und Kfz bis zu 24 Kilometern detektiert werden
    f. überwachen der Raketenabschussgebiete und Patrouillewege mit nachtkampftauglichen Kräften die Vorbereitungen der IKs für Raketenabschüsse, USBV/IED oder Hinterhalte erkennen und wenn taktisch möglich unterbinden; erkannte vorbereitete Hinterhalte werden genutzt, um die IKs selbst gezielt zu bekämpfen
    g. taktische Operationen, um angreifende IKs einzukesseln und zu vernichten; zum Beispiel nimmt in Hinterhalt geratene Patrouille den Kampf an, wird verstärkt und bereitet ein werfen des Feindes vor. Gleichzeitig werden die möglich Rückzugsrouten der IKs durch eigene Kräfte gesperrt, so dass bei dem nun erfolgenden Gegenangriff ausweichende IKs gestellt werden können
    h. klassischen Jagdkampf die IKs nicht zu Ruhe kommen lassen
    3. IKs vom Geld-Informations-Waffennachschub abschneiden
    a. In den Heimatstaaten der Truppensteller Unterstützer der IKs durch Informationsgewinnung und Weitergabe und oder Geldbeschaffung durch Sammlung bzw. “Besteuerung“ bei ausgewanderten Afghanen oder durch Drogenhandel ausfindig machen und ausschalten.
    b. Diplomatischen, politischen, wirtschaftlichen Druck auf Staaten die die IKs unterstützen ausüben, um dies zu beenden
    c. Geheimdienst einsetzen, um Nachschubrouten zu finden, zu infiltrieren und zu bekämpfen, mit dem Hauptziel Hintermänner auszuschalten.
    4. Belohnungen für Hinweise die zur
    a. Beseitigung von USBV/IED,
    b. Festnahme oder ausschalten von IKs,
    c. Aushebung von Waffenverstecken,
    d. Auffindung von Verstecken von IKs,
    e. Vernichtung von IK Checkpoints
    oder Ähnlichem führen.
    5. Belohnung für alle abgegebenen Waffen oder Sprengmittel.
    6. Ausgabe von Identitätskarten mit Chip für gespeicherte Fingerabdrücke zur Identifizierung und zu Verfügung stellen von ausreichenden Lesegeräten für ISAF, ANA und Polizei (Frauen könne so zum Beispiel verschleiert bleiben, aber die Identität kann trotzdem festgestellt werden)
    7. Aufbau einer funktionierenden Polizei und Armee mit Überwachung der gerechten Besoldung und geordneter Nachschubverteilung.
    8. Die Herzen und die Gunst der afghanischen Bevölkerung gewinnen („winning hearts and minds“) Die IKs könne ohne die Unterstützung der Bevölkerung nur kurzfristig operieren, deshalb sind Maßnahmen gegen bzw. für die Bevölkerung noch wichtiger als die gegen IKs. Standartprozedere ist eine zeitlich nicht befristete Generalamnesie für alle IKs bekannt zu machen. Alle die dies wahrnehmen werden sofort in eine Sondermiliz übernommen, bekommen schriftlich Straffreiheit zugesichert, dürfen ihre Waffen behalten und werden regelmäßig in ausreichender Höhe besoldet, eventuell in Verbindung mit Lebensmittel und oder Technik etc, um einen Missbrauch des Geldes zu verhindern. Die Sondermiliz wird an Orten stationiert die eine Begünstigung der Verwandten und Bekannten vermeidet.
    Alle Dörfer erhalten eine asphaltierte Anbindung an das Strassennetz und in Verbindung damit einen Stromanschluss. Ebenso wird in jedem Dorf ein Laden mit westlichen Waren, eine Schule, eine Kranken- und Polizeistation errichtet. Die Regierung verteilt großzügige Geschenke in Form von elektrischen Geräten wie zum Beispiel TV-Geräte oder Kühlschränke. Ziel ist es ein Anreiz für die Bevölkerung zu schaffen Geld zu verdienen und mehr Waren zu konsumieren. Kinder werden in den Schulen an ein demokratisches gleichberechtigtes System gewöhnt, um so einen Grundstein für die kommenden Generationen zu legen.

    Möglichkeiten im Kampf gegen irreguläre Kräfte im Raum Kunduz
    Der Kampf gegen irreguläre Kräfte benötigt eine hohe Zahl an kampfstarken Infanterieeinheiten mit mindestens Artillerie, besser auch mit zusätzlicher Luftunterstützung, sowie eine umfassende Aufklärungskomponente. Die Truppen unterliegen dem unabdingbaren Grundsatz, dass deren Beweglichkeit um ein Vielfaches höher sein muss als die der IKs. Erreicht werden kann dies nur durch ausreichende und geeignete Helikopterkapazitäten.
    Zusammenhängende von den IKs genutzte Räume, dürfen nicht unter verschiedenen Nationen oder Kommandos aufgeteilt werden. Dies führt immer zu Friktionen und Fehlern bei Absprachen und Operationen.
    Auch der ständige Austausch von Kampf- und Aufklärungstruppen ist taktisch und strategisch unsinnig. Sobald sich Truppe und Führer die notwendigen Ortskenntnisse und Kontakte zur Bevölkerung angeeignet haben, kommt ein neues Kontingent und muss bei nahezu Null wieder anfangen.
    Grundsätzlich müssen alle wichtigen, sprich strategischen Punkte gleichzeitig und ununterbrochen besetzt gehalten werden (zum Beispiel Brücken, Furten, Geländeerhebungen mit Überblick auf eigene und Stützpunkte der IKs, Gebirgspässe und Täler, Hauptstrassen, Kreuzungen uvm.). ISAF Nachschub- und Truppenbewegungen finden ebenso wie zivile Nachschubtransporte nur in entsprechend geschützten Konvois statt. Sich aber nur auf Abwehrmaßnahmen zu beschränken und gelegentlich Patrouille zu fahren bedeutet den IKs die Initiative zu überlassen. Diese können dann in aller Ruhe ihre Position im Wirkungsbereich festigen, eine logistische Basis aufbauen und ungestört gegen ISAF gewandte Angriffe vorbereiten. Die Bevölkerung wird durch Einschüchterung und Repressalien gezwungen die scheinbar tatsächlichen Herrscher zu unterstützen. Die Initiative muss unter allen Umständen zurück gewonnen werden, denn IKs werden nur durch Angriff geschlagen.
    Angriffe gelten aber niemals dem Gelände an sich, sondern Ziel sind immer die IKs! Bei Säuberungsaktionen darf sich der Einsatz nicht nur auf ein bestimmtes Gebiet beschränken, da die IKs sonst einfach in benachbarte Sektoren ausweichen, um später im Triumph zurückzukehren. Unter Ausnutzung dieses Umstandes können aber auch passable Erfolge erzielt werden. Bereits aufgeklärte und wahrscheinliche Rückzugsrouten und Gebiete werden durch eigene Truppen besetzt, so dass die vor den anrückenden ISAF Soldaten zurückgehende IKs auf die Auffangstellungen auflaufen und zwischen zwei Fronten gestellt werden. Eine zweite Möglichkeit ist den IKs die Flucht zu ermöglichen, dabei die Routen aufzuklären und diese dann auf dem Rückweg dort zu überraschen. Denn befreite Zonen müssen frei bleiben, damit die Bevölkerung zu ISAF Vertrauen fasst und diese mittelfristig auch unterstützt. Hierbei spielt die zivile Entwicklung eine entscheidende Rolle.
    Ununterbrochene auch kleine Angriffe, zum Beispiel durch klassische Jagdkommandos, sind besser dazu geeignet die IKs unter Druck zu bringen und zu halten, als goß angelegte Operationen in halbjährlichen Abständen. Zusätzliche Großoperationen zur Befreiung ganzer Städte oder Ähnlichem sind natürlich in positive Ergänzung.
    Der endgültige Erfolg jedoch steht und fällt mit der erfolgreichen Trennung der IKs von der Bevölkerung! Nur intensive wirtschaftliche, politische und soziale Maßnahmen parallel zu den militärischen, werden den Erfolg sichern!

  3. Von: Wilhelm Fehr

    23.05.10 - 18:43 Uhr

    Verehrter Herr Lindemann,
    ich bin Reservist und habe im Februar 2010, einen Vortrag während meiner Wehrübung gehalten: Bundeswehr und Gesellschaft.
    Ich habe die Problematik unserer Gesellschaft aufgezeigt, sowie das Bild einer pazifistischen Gesellschaft mit weltfremden Vorstellungen verglichen.
    Ich habe erklärt, das die Bundeswehr ein Breitschwert ist und kein Skalpell.
    Mann sollte sie eben auch so einsetzen. Von meinem Vorgesetzten wurde ich gefragt, ob ich denn ein Feindbild hätte, ich bejahte dies ausdrücklich und betonte, dass man mit einer Mörderbande nicht verhandelt.
    Er war schockiert, warnte mich und zeigte mir auf, dass ich theoretisch sofort ausgekleidet werden müsse, ja eine Gefahr für die Bundeswehr sei usw.,
    Er betonte der Schusswaffengebrauch sei immer die Ultima Ratio: ” ..Erst einmal ein Warnschuss dann geziehlt…!”(in Afghanistan!?) Ich sagte die 3/11 lasse sich da anders aus,..Alles zwecklos. Ein Warnschuss beim Leopard kommt allein schon wegen der notwendigen Rohrerhöhung nicht in Frage. Außerdem hat er da was mit der Wachausbildung verwechselt.
    Ich betont weiterhin, das jede Form der wirklichkeitsgetreuen Widergabe einer Kriegssituation durch die Presse eindeutig negativ gewertet wird und somit einer demokratischen Zensur unterworfen (Wenn sie mal als Kriegstreiber,Mörder usw. in der Zeitung gestanden haben- halten sie einfach den Mund.
    Na ja, was soll ich sagen, nun ist es vorbei. Ich wurde exkommuniziert, gekreuzigt und gebannt.
    Nein, ich habe die Kommandierung hingeworfen mich beim Wehrbeauftragen beschwert und gehe nun vor das Truppendienstgericht. Das ist die peinliche Realität, wenn man die Wahrheit in klare Worte setzt.
    Es ist nunmehr ein riesiger Papierberg entstanden.
    Ich habe ihr Buch nahezu “gefressen”, und habe mich bei meinen Rechtfertigungen an den Inhalt ihres Buches erinnert und gesagt:”..dann müssen sie den Lindemann ja fast einsperren..” Ich hoffe natürlich dies passiert nicht, bin auch guter Hoffnung..(Ha)!
    Der Krieg in der Heimat stellt für die unsrigen auch noch mal eine, ja ernste, Herausforderung dar. Wenn sie es interessiert, der gesamte Vorfall ist hoch spannend..
    Alles Gute für sie W.F.

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