Zeit-Dossier zur Lage in Kunduz

Liebe Leser,

in der aktuellen Ausgabe der Zeit vom 4. März wurden zwei hervorragende Artikel zum Thema Generationenkonflikt und Auslandseinsätze der Bundeswehr veröffentlicht. Noch lesenswerter ist jedoch das Dossier auf Seite 13. Ein hervorragend recherchierter und brillant geschriebener Beitrag zur Lage in Kunduz von Anita Blasberg und Stefan Willeke. Einige Details, so sie sich denn bewahrheiten, sollten das Verteidigungsministerium dringend veranlassen, in den Reihen der ehemaligen übergeordneten Führung des Regionalkommandos Nord, über personelle Konsequenzen nachzudenken. Den Anstand diese selbst zu ziehen, wird man heute vergebens suchen.
Die Passagen zum Auftreten des Gouverneurs von Kunduz, Eng. Mohammed Omar, werden sicherlich nicht von allen Soldaten geteilt, die mit diesem Mann in der Vergangenheit zu tun hatten. Auch ich habe ihn noch als Bittsteller in Erinnerung. Dennoch scheint mir sein großspuriges und den deutschen Befehlshabern gegenüber geradezu anmaßendes Verhalten in heutiger Zeit plausibel. War das deutsche PRT bis zu diesem Jahr der Hauptansprechpartner Omars, so werden es in naher Zukunft die Amerikaner sein, die einen großen Stützpunkt im Norden errichten. Auf die Deutschen, so bin ich mir sicher, wird er sich zukünftig finanziell nicht mehr angewiesen sehen.
Ein kleiner Nebensatz fiel mir besonders ins Auge: Wie einen „Schuljungen“ würde er den deutschen Kommandeur beim wöchentlichen Security Meeting behandeln. Eine Unverschämtheit. Doch letztlich gehören dazu immer zwei. Einer wie Omar und einer der sich von ihm so behandeln lässt.
Mich würde darüber hinaus auch sehr interessieren, wie das Auswärtige Amt die Praxis der Geldgeschenke an den umstrittenen Gouverneur rechtfertigt. Nach einer Position der Stärke jedenfalls sieht das alles nicht aus.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 6. März 2010 um 20:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Blog abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

4 Reaktionen zu “Zeit-Dossier zur Lage in Kunduz”

  1. Von: Alexander G.

    07.03.10 - 08:28 Uhr

    Hier gibt es den Artikel “Das Kundus Syndrom” zum download, allerdings kostenpflichtig. Vielleicht kommt ja noch die gratis Veröffentlichung nach….

    http://www.abisz.genios.de/r_sppresse/daten/presse_zeit/20100304/zeit.20100304013042.html

  2. Von: Alexander G.

    09.03.10 - 09:11 Uhr

    Hier der Artikel for free:
    http://www.zeit.de/2010/10/DOS-Kundus

  3. Von: Politikverdruss

    09.03.10 - 10:21 Uhr

    Sehr geehrter Herr Lindemann,
    in dem Kundus-Dossier der ZEIT wird u.a. ausgeführt, dass der damalige Com RC Nord, BG Weigt, dem Kdr PRT Kundus, O Meyer, bereits in Masar-i-Scharif verfügbare gepanzerte “Wölfe” nicht bereitgestellt habe. Dadurch seinen die Patrouillen des PRT Kundus gezwungen gewesen, ungepanzerte Wölfe einzusetzen. Und während eines solchen Einsatzes sei ein HFw mit einem ungepanzerten “Wolf” in eine Sprengfalle geraten und dabei gefallen.
    Die ZEIT fragt dann in dem Artikel, ob dieser Verlust nicht vermeidbar gewesen wäre, wenn Weigt auf Meyer gehört hätte.
    Das klingt einfach so ungeheuerlich, dass ich Sie fragen möchte, ob Sie das aus Ihrer Erfahrung heraus für möglich halten.

  4. Von: Econ

    17.03.10 - 16:23 Uhr

    Meine kurze und enttäuschende Antwort: Leider ja! Einer “ordentlichen Präsentation” wird in weiten Teilen der Bundeswehr der Vorzug vor operationellen Notwendigkeiten gegeben.

    Marc Lindemann

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