Monatsarchiv für März, 2010
Zum Bericht des Wehrbeauftragten17/03/10 von Econ
Der scheidende Wehrbeauftragte der Bundesregierung Reinhold Robbe hat gestern in Berlin zum letzten Mal seinen Jahresbericht vorgelegt. Der 100 Seiten starke Text ist eine lohnenswerte Lektüre. Über die seit Jahren bekannten Mängel hinaus verwendet Robbe eine Sprache, die von Verständnis und Sympathie für die Soldaten der Bundeswehr zeugt.
Doch auch ein nicht überhörbarer Frust findet sich in dem Bericht. Der Mangel an kampfgeeignetem Gerät für Afghanistan und an Ersatzteilen für ausgefallene Fahrzeuge ist seit Jahren bekannt. Robbe äußert an dieser Stelle seine völliges Unverständnis ob der verweigernden Handlung der Verantwortlichen. Doch wer sind diese eigentlich? Die Politik? Laut Robbe nein. Gerade in dem genannten Bereich stimme ich dem Wehrbeauftragte zu. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass Abgeordnete des deutschen Bundestages die schnelle Beschaffung von Ersatzteilen und angemessen geschützten Fahrzeugen aus finanziellen Gründen ablehnen. Bei Bekanntwerden einer solchen Haltung (und es würde bekanntwerden), wäre der Druck der Empörung groß bis Posten gefährdend .
Reinhold Robbe sieht die Verantwortung in der militärpolitischen Führung des Verteidigungsministeriums und der großen Kommandobehörden. Und auch mir wurde dies aus dem Bereich BMVg und Einsatzführungskommando mehrfach bestätigt. Auf meine Frage, warum dies so sei, konnten mir weder die Offiziere noch die Politiker, mit denen ich über dieses Phänomen sprach, eine schlüssige Erklärung geben. Ich habe beim besten Willen auch keine.
Einigen Einzelvorkommnissen wird durch die Erwähnung in diesem Bericht eine sehr starke Bedeutung zugemessen. Ein Kompaniechef soll auf den Repatriierungswunsch eines seiner Soldaten aus Afghanistan geantwortet haben: „Was glaubt der denn, wo er ist, auf einem Ponyhof?“ Freilich klingt das ziemlich kaltschnäuzig und zeugt nicht von guter Menschenführung. Man sollte jedoch immer auch in Betracht ziehen, dass eine solche Äußerung aus einer Laune heraus getätigt worden sein könnte. Im Geschäftzimmer der Kompanie vielleicht, den harten Burschen markierend, und mehr an die umstehenden Soldaten gerichtet, als an den Betreffenden im Einsatz. In Afghanistan jedenfalls habe ich ein solches Verhalten nie erlebt.
Reinhold Robbe zeigt mit seinem Bericht ein tiefes Verständnis für die Nöte der Truppe. Sein designierter Nachfolger wird sich dies erst erarbeiten müssen.
Zeit-Dossier zur Lage in Kunduz06/03/10 von Econ
Liebe Leser,
in der aktuellen Ausgabe der Zeit vom 4. März wurden zwei hervorragende Artikel zum Thema Generationenkonflikt und Auslandseinsätze der Bundeswehr veröffentlicht. Noch lesenswerter ist jedoch das Dossier auf Seite 13. Ein hervorragend recherchierter und brillant geschriebener Beitrag zur Lage in Kunduz von Anita Blasberg und Stefan Willeke. Einige Details, so sie sich denn bewahrheiten, sollten das Verteidigungsministerium dringend veranlassen, in den Reihen der ehemaligen übergeordneten Führung des Regionalkommandos Nord, über personelle Konsequenzen nachzudenken. Den Anstand diese selbst zu ziehen, wird man heute vergebens suchen.
Die Passagen zum Auftreten des Gouverneurs von Kunduz, Eng. Mohammed Omar, werden sicherlich nicht von allen Soldaten geteilt, die mit diesem Mann in der Vergangenheit zu tun hatten. Auch ich habe ihn noch als Bittsteller in Erinnerung. Dennoch scheint mir sein großspuriges und den deutschen Befehlshabern gegenüber geradezu anmaßendes Verhalten in heutiger Zeit plausibel. War das deutsche PRT bis zu diesem Jahr der Hauptansprechpartner Omars, so werden es in naher Zukunft die Amerikaner sein, die einen großen Stützpunkt im Norden errichten. Auf die Deutschen, so bin ich mir sicher, wird er sich zukünftig finanziell nicht mehr angewiesen sehen.
Ein kleiner Nebensatz fiel mir besonders ins Auge: Wie einen „Schuljungen“ würde er den deutschen Kommandeur beim wöchentlichen Security Meeting behandeln. Eine Unverschämtheit. Doch letztlich gehören dazu immer zwei. Einer wie Omar und einer der sich von ihm so behandeln lässt.
Mich würde darüber hinaus auch sehr interessieren, wie das Auswärtige Amt die Praxis der Geldgeschenke an den umstrittenen Gouverneur rechtfertigt. Nach einer Position der Stärke jedenfalls sieht das alles nicht aus.