Monatsarchiv für Januar, 2010
Höchste Zeit für eine Strategie25/01/10 von Econ
Seit dem Tanklaster-Angriff vom 4. September 2009 diskutiert die Nation über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Darüber, ob ihr Vorgehen angemessen gewesen sei. Doch die Gründe für den Angriff sind nach wie vor nur selten Thema: Der Bundeswehr wird von den Aufständischen ein Guerilla-Krieg aufgezwungen, in dem neben Soldaten auch unzählige afghanische Zivilisten sterben. Die Intensität der Taliban-Angriffe hat sich seit 2008 vervielfacht.
Vor sieben Jahren kam die Bundeswehr in den damals noch ruhigen Norden des Landes – zusammen mit den Polizeiausbildern des Innenministeriums und den zivilen Wiederaufbauhelfern. Seitdem wurden alle Chancen, für Stabilität am Hindukusch zu sorgen, vertan. Weder wurde gegen die Korruption und den Drogenhandel vorgegangen, noch das Land konsequent entwaffnet. Stattdessen glaubte man, es sei ein Leichtes, Afghanistan die westliche Demokratie überzustülpen. Ein Fehlglaube. Statt Mädchenschulen und einem Parlament ersehnte die afghanische Bevölkerung wirtschaftlichen Aufbau und vor allem Sicherheit. Enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft ist sie nun in Teilen in das Lager der wieder erstarkten Aufständischen übergewechselt. Und die Bundeswehr kann mit ihren 4.500 Soldaten in einem Gebiet so groß wie die ostdeutschen Bundesländer und Bayern zusammen nur noch für ihre eigene Sicherheit sorgen.
Schuld an dieser Situation tragen die politisch Verantwortlichen, die der Bevölkerung die Wahrheit über den Einsatz vorenthielten. Von ihnen fordere ich bedingungslose Offenheit. Und eine sinnvolle Strategie für einen Kriegseinsatz, der bereits dutzenden deutschen Soldaten das Leben gekostet hat.